EINE INTERAKTIVE WANDERAUSSTELLUNG


Amakhosikazi

Geschlechtsbezogene Gewalt ist kein Phänomen, das es nur in Südafrika gibt. Allerdings liegen die Zahlen entsprechender Fälle in Südafrika um das Sechsfache über dem weltweiten Durchschnitt. Das heißt, dass etwa alle drei Stunden ein Femizid (Mord an Mädchen oder Frauen aufgrund ihres Geschlechts) und alle 26 Sekunden eine Vergewaltigung begangen wird. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs, da viele weitere Fälle psychischer, physischer und sexueller Gewalt gar nicht statistisch erfasst werden oder erfasst werden können. „Amakhosikazi“ (isiZulu für „Frauen“) möchte daher den Blick von den abstrakten Zahlen auf die Personen lenken, die geschlechtsbezogene Gewalt selbst erlebt haben und sie bzw. ihre Geschichten porträtieren.


DAS PROJEKT

Porträts sind als künstlerisches Genre beinahe so alt wie die Kunstgeschichte selbst und Frauen von jeher ein beliebtes Motiv. Trotz der visuellen Allgegenwart von Frauen in der Kunst erfährt man über deren Persönlichkeit, Leben und Schicksal jedoch meist wenig. Nicht selten sind sogar die Namen der Abgebildeten unbekannt. Ihre Rolle ist die eines zweidimensionalen Objekts auf einer Leinwand.

AMAKHOSIKAZI – PORTRAYING WOMEN ist der Versuch, einen alternativen Weg zu beschreiten: statt ein äußeres Erscheinungsbild zu reproduzieren werden Frauen ausschließlich auf Basis ihrer jeweiligen Geschichte porträtiert. Dabei ist allen Geschichten gemeinsam, dass sie von geschlechtsbezogener Gewalt, aber auch von deren Überwindung erzählen. Darüber hinaus stammen alle bisher porträtierten Frauen aus Südafrika, weswegen das isiZulu-Wort für „Frauen“ als Titel der Ausstellung gewählt wurde: amakhosikazi.

Per Podcast abrufbare Interviews mit den zu porträtierenden Frauen dienten den am Projekt beteiligten Künstler:innen als Grundlage für ihre Werke. Entstanden sind Darstellungen, Bilder und Objekte unterschiedlichster Natur und Technik.

Lydia Steinbrich, Tryptich: Stigmata, Bleistiftzeichnung/Acryl auf Leinwand

(AN)TEILNEHMEN

HINSEHEN

Die (An)teilnahme an der Ausstellung wie auch an den Schicksalen im Zusammenhang mit geschlechtsbezogener Gewalt beginnt mit dem Hinsehen. Unmittelbar betrifft dies die Betrachtung der einzelnen Werke und die ästhetische Auseinandersetzung mit ihnen. Mittelbar betrifft dies jedoch vor allem das Wahrnehmen dessen, was Frauen teilweise tagtäglich an latenter sowie manifester Gewalt erleben – sowohl in Südafrika als auch in Deutschland und anderen Ländern.

ZUHÖREN

Der nächste Schritt ist das Zuhören. Den im Rahmen des Projekts porträtierten Frauen muss keine Stimme verliehen werden. Sie haben eine. Diese nutzen sie, um mutig von ihren oft erschreckenden Erfahrungen mit geschlechtsbezogener Gewalt zu berichten. Allerdings gilt es, dieser Stimme auch Gehör zu schenken. Vor Ort kann dies ganz praktisch mittels Abscannen der QR-Codes geschehen, die neben den einzelnen Werken angebracht sind und jeweils den Ausschnitt eines Interviews hörbar machen, der das Werk in besonderer Weise inspiriert hat. Und auch außerhalb der Ausstellung ist das Zuhören die angemessene Reaktion auf Erlebnisberichte von Frauen, die geschlechtsbezogene Gewalt erfahren.

AUFBEGEHREN

Als finaler Akt ist ein Aufbegehren gegen geschlechtsbezogene Gewalt unverzichtbar. Dies kann je nach Kontext sehr unterschiedlich ausfallen. Eine Möglichkeit besteht darin, sich selbst künstlerisch an AMAKHOSIKAZI – PORTRAYING WOMEN zu beteiligen. Eine entsprechende Ausbildung oder sonstige Qualifikation als Künstler:in sind hierbei keine zwingende Voraussetzung. Ausreichende Englischkenntnisse, um den Interviews folgen zu können, sind jedoch erforderlich. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, der Wanderausstellung und damit auch dem Thema geschlechtsbezogene Gewalt einen Raum zur Verfügung zu stellen. In beiden Fällen kontaktieren Sie uns einfach!

Elmar Spohn, No Pain Anymore, Acryl auf Sperrholz

AUSSTELLUNGSTERMINE UND -ORTE

DatumOrtÖffnungszeiten
23. Oktober-12. November 2022
Vernissage am 23. Oktober ab 17 Uhr
Glemseck 1, D-71229 Leonberg9-17 Uhr

Ausstellungsverlängerung bis zum 25. November!

Aufgrund der vielen positiven Reaktionen wird die Ausstellung AMAKHOSIKAZI – PORTRAYING WOMEN, die aktuell im Glemseck in Leonberg zu sehen ist, bis zum 25. November 2022 verlängert. Öffnungszeiten sind täglich 9-17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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